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Freibadweh

21. Mai 2015

Peking, oh Peking!

Deinen Sommer liebe ich jetzt schon. Er ist sonnig und blaubehimmelt und sogar der Smog wächst nur alle paar Tage zu wirklich unangenehmem Maße an. Dann regnet es einmal herzhaft und am nächsten Tag lachst Du schon wieder.

Und doch ist es Dein Sommer, Peking, der mir eine Sehnsucht verursacht, wie es keine Deiner anderen Eigenschaften in den eineinhalb Monaten davor vermochte.

Peking, ich fürchte, ich leide an Freibadweh!

Auch als Schwimm-Spätentwicklerin war ich doch schon immer groß im Planschen und Wiesenliegen, sobald die Sonne den Schatten auf über 20 Grad erhitzt hatte. Und so cool Du auch bist, Peking, das fehlt mir an Dir: das Grasstreicheln, das Vogelzwitschern, das Fliehen vor Ameisen und sonderbaren kleinen Tieren, die von den Bäumen fallen. Ich esse gerne Pommes mit Fingern, die nach Sonnenmilch riechen.

Du aber, Peking, lachtest nur über meine Frage, ob Du bei diesem Wetter nicht den Wunsch nach Freibad verspürst. Genau genommen sprach ich vom Strand, weil ich ehrlich gesagt glaube, dass Du für Freibad kein Wort hast. Du versteckst Dich vor Deiner Sonne unter Regenschirmen, weil Du blass bleiben willst. Gut, Peking, ich lasse Dir Deinen Schirm, ich komme sogar mit darunter, (Langsam im Schatten zu bräunen ist sowieso gesünder.) wenn Du nur mit mir ins Freibad gehst!

Aber bei Dir gibt es gar keine Freibäder und der nächste Strand ist eine Tagesreise entfernt. Also suche ich einen Deiner Parks auf, von denen Du zugegebenermaßen einige hast. Und siehe da, Du machst mir Hoffnung, Peking! Auf dem Gras am künstlich angelegten Wasser sitzt schon jemand und spielt Gitarre. Im Zaun zwischen Weg und Grün ist heute sogar eine Pforte offen, als wolltest Du sagen: "Verzage nicht, ich bin doch gar nicht so!" Ich suche mir einen gemütlichen Platz und fläze, während irgendwo Vögel zwitschern. Der Gitarrist und ich bleiben auch nicht lange allein. Nein, es kommen so viele Leute dazu -- und ganz ohne Regenschirme -- dass ich schon eine Verschwörungstheorie zu der großen Blässelüge entwickle und fürchte, Du, Peking, wolltest Dich in Gänze zu mir auf die Wiese gesellen.

Mit meinen Gedanken darüber, was das mit dem schönen Gras machen würde und ob das nun alles meine Schuld ist, komme ich jedoch nicht weit. Du schickst einen freundlich lächelnden Menschen in grüner Uniform, der mich über meinen Irrtum aufklärt. Zutritt verboten.

Um des Rasens Willen geradezu erleichtert, verlasse ich selbigen. Auch meine Mitläufer ziehen von dannen. Nur der Gitarrist bleibt. Vielleicht ist es die Musik, die sein Sitzen legitimiert.

Ich aber weiß nun, Peking, eigentlich willst Du es auch. Spring also endlich aus Deinem Schatten und hau Dich mit mir in die Sonne!

Geschmacksrichtungen

Humor 

Romantik 

Gehalt 

Spannung